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Mail Art
 

Mail Art hat -obgleich die Assoziation schnell in diese Richtung weist- nichts mit Mails zu tun, oder höchstens im ursprünglichen Sinn des Wortes, nämlich mail=Post. Und Art bezeichnet Kunst.

Es handelt sich also um Post, meist Postkarten oder Poststücken der Karte ähnlich, die individuell gestaltet ist. Dies kann rein über den Text geschehen, über die Gestaltung der Karte, beides zusammen oder in der Auswahl des zu verschickenden Gegenstandes als Karte (z.B. ein abgerissenes Stück Wellpappe).

Mail Art existiert seit den 1960er Jahren, hat aber erst seit den 70ern diesen Namen. Als für die klassische Kunstwelt nicht fassbare Kleinform war MailArt beispielsweise ein Mittel des Widerstands in den Diktaturen Lateinamerikasund Osteuropas. Wie Konzeptkunst umgeht Mail Art die üblichen Verteiler wie Galerien, Kunsthändler oder Museen und ist daher nur schwer kontrollierbar.

Einmal damit begonnen, entwickelt sich das individuelle Gestalten von Poststücken schnell zur Leidenschaft. Damit es  eine bleibt und auch der Empfänger nur Freude empfindet: unbedingt auf das Porto achten! Sonderformate oder ungewöhnliche Erhöhungen/Vertiefungen kosten immer mehr als eine normale Postkarte. Aber mit derzeit 1,45 € ist man auf der sicheren Seite.

 

Heimatvertriebene

 von Christine Hidringer

Cut up! Idee und Aufforderung. Dick war das Kuvert, worin als Arbeitsgrundlage die Broschüre eines Drogerie-Marktes steckte. Mit sehr sehr vielen Wörtern drin. Wobei die meisten Wörter gleich als unbrauchbar einzustufen waren, einfach weil sie viel zu klein da standen, in einer Schriftgröße, die das Ausschneiden schon als sehr lästig prophezeite. Ganz zu schweigen vom Kleben. Die großen Wörter waren aber auch viel schöner. Nein, nicht von ihrem Inhalt her. Sondern rein vom Design. In dicken Blöcken hockten sie auf den Seiten und sprangen mich an: „Nimm mich! Ich opfere mich deiner hehren Aufgabe!“ Lange musste ich nicht überredet werden. Außerdem, so fiel mir auf, waren diese farbverfressenen, gut genährten Wörter auch sonst recht attraktiv. Sie waren nicht aus Versehen so groß und dick geworden, sondern weil sie was zu sagen hatten. Zumindest war dies Teil ihres Auftrags in dem Drogerieheft. Okay. Meine Schere grub ein Loch ins Papier und fraß sich um die properen Vertreter ihrer Art. Bei den ersten spürte ich noch ein wenig Ungeduld. Doch mit jedem Wort genoss ich es mehr, es aus seinem Zusammenhang und aus dieser Broschüre zu lösen, es praktisch heimatlos zu machen. Sie zu vertreiben ohne Gepäck hinaus in eine unbebaute Wüste. Hinaus aus seinem angestammten Platz, hin auf meinen Tisch, auf andere Wörter.

 

Sie schmähten einander, bockten, weigerten sich, aufeinander zu zu gehen. Vorerst kümmerte mich das wenig. Aber als genügend Löcher geschnitten, und die Heimatlosen zu einem stattlichen Haufen angewachsen waren, wollte ich schon, dass sie lieb zueinander sind. Sie glotzten mich an, beleidigt und trotzig. Sie drehten sich rum. Sie verdeckten einander.

 

Meine Ungeduld stellte sich wieder ein. Fein säuberlich zog ich den Wörterhaufen auseinander und legte jeden Schnipsel so hin, dass ich ihn gut lesen konnte. Lange schaute ich die Wörter dann an. Schob eines von hier nach da. Schob zurück. Nahm ein anderes in die Hand und legte es neben einen Rivalen. Sie schauten sich noch immer nicht an. Kein freundschaftliches Zwinkern, nicht einmal ein Zucken, dass sie einander erkannt hätten. Mensch, die waren zusammen mal in einem Heft!

 

Mich selbst zur Nachsicht ermahnend betrachtete ich jedes einzeln. Mir fiel auf, dass ein jedes für sich ein schillerndes Universum war. „Schloss“ – was fand in diesem Wort alles Platz! Die Träume von langen herrlichen Kleidern, von Degen und von zum Kampf gesattelten Pferden, Geister des Nachts, von Türen, durch deren Schlösser man versucht, Geschenke unterm Weihnachtsbaum zu sehen, von Plomben, von Kamelen und Riegeln, von Schlüsseln, die sich hindurch schieben und etwas beenden oder beginnen, Einblicke gewähren, Möglichkeiten töten… Assoziationen in wilder Fülle!  „Gnade“ führt in Kirchenräume, zwingt auf die Knie, lässt milde Mienen auftauchen und wieder verschwinden, entführt in Kerker und auf Richtplätze, in den Himmel und in die Hölle. Lauter Universen schwammen auf meinem Tisch, meine Gedanken ruderten zwischen ihnen, gerieten unter die Wörterinseln und stießen laut nach Luft schnappend wieder nach oben.

 

Beinahe aus Versehen, gar nicht absichtsvoll, waren zwei nebeneinander geraten, die sich an die Hände nahmen. Im noch verschämten Nebeneinander entdeckten sie Gemeinsamkeiten, ob derer sie erröteten und unauffällig die Arme umeinander zu legen versuchten. Was kümmerten sie bisherige Inhalte ihrer Daseins! Gern waren sie bereit, diese über Bord zu werfen um dieser Nähe willen! Während tiefer Blicke näherte sich von hinten ein neues Wort. Ohne von den beiden bemerkt zu werden, hängte es seinen Karabinerhaken über die verschlungenen Hände. Verwirrt, verstört stellten sich frisch Verliebten der völlig neuen Wirklichkeit. Und als hätte die Verwirrung dem Chaos Tür und Tor geöffnet, drängten andere Wörter nach, bliesen den Planeten auf, damit sie alle Platz fänden.

 

Mein Herz stampfte einen Indianertanz. Spürten sie denn nicht, wie sie alle immer kleiner wurden? Aber ich… hatte ich es nicht genau so gewollt? Aussagen, Informationen, Ketten von Wörtern, die Geschichten erzählten, die in lyrischem Nebel Geheimnisse flüsterten. Oder etwa nicht? Warum trauerte ich nun um diese kleinen Universen? Ja, war ich denn noch ganz gescheit?

 

Die von mir Vertriebenen rodeten neues Land, bauten Häuser und schufen neue Strukturen ihres Daseins, ordneten Beziehungen und gingen ihrer Wege. Nur ihr Aussehen verriet noch ihre Herkunft.

 

Da kann man nix machen.

 

 

 

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 Sobald eine stattliche Anzahl MailArtStücke bei uns eingetroffen sind, eine Ausstellung zu organisieren. Also: ran an Stift, Papier, Farbe, Kleber, Stoffe, Scheren, Perlen......

 

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