Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Der Attentäter

Veröffentlicht am 16.09.2015

Wer kennt nicht Reinhard Meys Lied: „Der Kammerjäger jagt Kammer, der Jammerlappen lappt Jammer, der Landstreicher streicht Land, der Brandstifter stiftet Brand….“ So oder so ähnlich wird einem zumute beim Stolpern über das Wort Attentäter: was tut denn der Täter atten?

Da stimmt doch was nicht.

Ein leibhaftiger Bürgermeister, der Bürgermeister Heinrich Ludwig Tschech vom brandenburgischen Storkow, hat am 26. Juli 1844 ein Attentat auf König Friedrich Wilhelm IV. verübt. Getroffen hat er nicht.

Aber er ist letztlich verantwortlich dafür, dass der deutschen Sprache ein Wort geschenkt wurde, ein Wort, das es, legt man die klassischen Maßstäbe der Wortbildung im Deutschen zugrunde, gar nicht geben dürfte.

Denn Tschechs Attentat, (dieses Wort gab es schon seit dem 15. Jhd, stammt von lat. attemptare, attentare, V., »versuchen, angreifen«, attentatum ist das PPP), das reimt sich auf Hochverrat. Doch der unbekannte Dichter des Spottliedes (auf den König, nicht auf Tschech!) brauchte zum Reim auf Verräter den Attentäter. Den hatte es vorher gar nicht gegeben. ja, in der Schluss-Strophe geht er sogar einen Schritt weiter und lässt „attentaten“.

Ein Lied, das sich größter Bekanntheit erfreute, nach Engels zu den besten Volksliedern gezählt oder nach Fontane als erbärmlicher Gassenhauer empfunden wurde.

Naja. Hier der Anfang:

„War wohl je ein Mensch so frech
wie der Bürgermeister Tschech
Denn er traf auf ein Haar
unser teures Königspaar
Ja, er traf die Landesmutter
durch den Rock ins Unterfutter

Kaum die Uhr noch war halb achte
als noch Niemand Böses dachte
Ist ein Mann im grauen Mantel 
durch das Schloßportal gewandelt
Dies war Tschech der Hochverräter
Königsmörder Attentäter!

Ach, es hat der Bösewicht
unsern Gott im Herzen nicht…“